Das Bild als Meditationsobjekt
Forum zum Thema „Kunst und Kirche" beim Landeskirchentag von Nicola Hille, Marburg.
Anläßlich des Landeskirchentages fand in Marburg ein Forum über „Die Bedeutung von Bildern für die christliche Botschaft" statt.
Den zentralen Vortrag hielt Professor Horst Schwebel, Leiter des Institutes für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart.
Er redete darüber, „wie Kunst und Religion zusammenpassen. Wie Schwebel betonte, werden Bilder immer noch als Exotikum verstanden,
wenn es um das Verhältnis von Kunst und Kirche geht. Daß dieses Verhältnis nie ungetrübt war, zeigte er anhand von Rückblicken in die
Vergangenheit. Im Bilderverbot durch die christliche Kirche im Mittelalter drückte sich das Konkurrenzverständis aus.
Die Kirchenoberen hatten erfahren, welche entscheidende Wirksamkeit Bilder besitzen können. Auch der Bildersturz offenbarte die tiefe
Skepsis der Kirche gegenüber dem Bild als Verkündigung: Das Bild gefährde die rechte Lehre durch Freisetzung der Phantasie,
arÂgumentierten die Verantwortlichen der Kirche gegen die Künstler. Wie Schwebel erläuterte, sind seit der Renaissance die Künste aus
der Kirche ausgebrochen und haben eine neuartige Autonomie erlangt. Schwebel nannte die Angst vor Bildern,
die sich erstmalig im Bilderverbot artikulierte, als bleibenden Faktor für den heutigen Umgang der Kirche mit Bildern nennt.
Wie kann das Defizit an sinnlicher ErfahÂrung in der Kirche aufgehoben werden? In seinem Diavortrag zeigte der Marburger Professor Bilder, in denen die Landschaft als Ort der Religion entdeckt wird.
So findet der Betrachter in Caspar David Friedrichs „Kreuz im Gebirge" kein klasÂsisches Altarbild wieder, sondern eine
Landschaft, die den Ort der Andacht einnimmt. Auch bei Vincent van Gogh zeigt sich die Religiosität in der Landschaft. Die innere AuseinÂandersetzung mit Glaubensfragen führte bei van Gogh nicht zu einem Christusbild, sondern zur Begegnung mit der LandÂschaft, die
mit spiritueller Kraft geladen ist.Doch welche Bedeutung für die christliche Botschaft liegt in diesen Bildern?
Laut Schwebel wird dort eine eigene OrdÂnung erstellt. Das Bild wird zum Meditationsobjekt, dessen Entstehung oftmals bereits einem
meditativen Vorgang unÂtersteht. Kunst als Konkurrenz zur biblischen Botschaft? Beim Künstler Johann Peter Reuter, der aufgefordert
wurde, zum Kirchentag einen Bildzyklus unter dem Thema „Sende dein Licht" zu schaffen, steht die Meditation im Vordergrund. Die
Erwartung von hellen, leuchtenden Bildern erfüllte Reuter nicht. Sein Bilderzyklus ist schwarz. Nachtbilder. Schlaflose Nächte. Dämmerzustand.
Die Bildlinien führen ins Sprachlose. Es ist dies der Versuch, das Nichtsagbare auszudrücken. Leise Musik ertönt im Hintergrund zu der
Ausstellung „La nativite du Seigneur.“Zyklus nach den neuen Meditationen für Orgel von Oliver Messiaen. Zu sehen sind keine „festen
Bilder", sondern Formen, die im Entstehen begriffen sind. Kunst kann nur in Konkurrenz zu Glaubensinhalten treten, so Schwebel, wenn
sie das Nichtsagbare malt. Doch können „Wallfahrten" zur Kunstausstellung Documenta oder die Betreibung von „Starkulten" eines Andy
Warhol oder Joseph Beuys wirklich den Gang in die Kirche ersetzen? Im Anschluß an die Vorträge gab es Gelegenheit zur Diskussion in
dreifacher Hinsicht: Kulturort Museum, Kunstort Kirche und Kunst im Gottesdienst waren die Themen.
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