Der Andachtsraum im Seniorenzentrum Wohnen & Pflege Rodensee Erzhausen

DER ANDACHTSRAUM IM SENIORENZENTRUM „WOHNEN & PFLEGE RODENSEE“, ERZHAUSEN

Der brennende Dornbusch …

… Mose hatte die Not seines Volkes gesehen, hatte sich unbeherrscht in einen Streit eingemischt, jemanden getötet, wurde schuldig und musste fliehen. Er musste alles zurücklassen: sein Volk und Ägypten. Es war das Land, in welchem er wie ein Sohn des Pharaos erzogen worden war. Er wurde heimatlos. In der Fremde fand er ein neues Zuhause. Er heiratete und gründete eine Familie. Doch spürte er tief in seinem Herzen eine brennende Sehnsucht. Wohin gehörte er wirklich? Das ließ ihn mit seiner Herde über die Steppe hinaus in die Wüste an den Berg Horeb gehen. (Ex 3,1)
Die Wüste – karg, lebensfeindlich und doch faszinierend, Besinnung auf sich selbst; der Ort, an dem nur das Wesentliche zählt.

Die Umsetzung des Themas

Auffallend ist eine schlichte, geradlinige Linienführung und Farbgebung der Objekte: So die Gewandung zur linken und zur rechten Seite und die Gestaltung des Altars mit seiner Unterkonstruktion aus Eichenholzquadern. Das Antependium verbindet die Tischplatte aus geschwärztem Eisen mit dem archaisch anmutenden Unterbau.
Ebenso die Form der Buchstaben im Bild und in der Tür:
Quadratisch das Feld der ausgesparten Worte. Die Schrift ist einfach und sparsam und lässt hinter der Schlichtheit Kraft, Fülle und Leben erahnen. Die Farbgebung ist unvermischt, rein, klar, ursprünglich und kraftvoll:
Gold symbolisiert die Herrlichkeit Gottes, Weiß die Reinheit und das Licht,
Rot steht für Feuer, Kraft, Liebe und Hingabe. Das Feuer scheint erstarrt in den flankierenden Feuersäulen – als ob die Zeit angehalten worden sei, dem Zeitenfluss entnommen, Ewigkeit erahnend.

Die Besonderheit des Raumes

Der Raum ist nach Norden ausgerichtet. Die Stirnseite hat mittig eine Ausbuchtung (angedeuteter Chorraum). Die Flanken jeweils in einer Breite von 50 cm sind bis zur Decke mit rotem Filz bespannt. Ebenso die flankierenden Elemente in der entstandenen Nische. Sie erinnern an das Feuer des brennenden Dornbusches. Durch die in der Ausbuchtung seitlich befindlichen schmalen Fenster fällt Licht in die Nische. Das Licht bestreicht von beiden Seiten her das über die ganze Fläche der Stirnwand angebrachte, 240 x 210 cm messende Bild. Ein schwarzer, auf die rückwärtige Wand aufgemalter Hintergrund, bettet das Bild ein. Es zeigt einen stilisierten Dornbusch auf goldenem Grund. Im oberen Drittel des Bildes sind lediglich die Worte »ICH BIN« zu lesen.
Das ist die Bedeutung des hebräischen Wortes »JHWH«. Es ist der Name mit dem sich Gott, der Gott der Väter Abrahams, Isaaks und Jakobs, Mose zu erkennen gibt. Der Name befindet sich in der oberen rechten Ecke des Bildes. Das von den Seiten hereinfallende Licht lässt das Rot der Gewandung auf dem mit Blattgold gestalteten Hintergrund zart rotgolden aufschimmern. Das Bild brennt von den Seiten her.
Es beginnt zu leben.
Der Altar vor der Bildwand besteht aus einer metallenen schwarzen Tischplatte und zwei Quadern aus Eiche. Den Raum zwischen den beiden Säulen füllt ein Antependium aus weißem Filz, durchwirkt mit Goldfäden. Es nimmt das Gold des Altarbildes auf.
Die Aussparung in der Mitte bildet ein weißes Kreuz.
Eine Fensterfront auf der Ostseite (Abb. Außenansicht) und eine Faltwand auf der Westseite begrenzen die Längsseiten des Raumes. Sie nehmen mit ihren angedeuteten Ästen und Dornen das Dornbuschmotiv dezent auf und lassen so einen geschützten Raum entstehen.
Durch eine mit milchiger Folie gestaltete Glastür betritt man den Andachtsraum. Auf Augenhöhe ist mittig ein Quadrat mit seinen vier Zeilen »BEI DIR – DER WEG – DIE WAHRHEIT – DAS LEBEN« erkennbar. Die Buchstaben der Worte sind ausgespart und gewähren so einen Blick auf die Worte »ICH BIN« des Bildes im Hintergrund.
Das »ICH BIN« ist der Schlüssel, der die Begriffe auf der Tür zu vier kurzen Sätzen zusammenfügt und ihnen den tieferen Sinn aufschließt.
»ICH BIN – BEI DIR. ICH BIN – DER WEG. ICH BIN – DIE WAHRHEIT.
ICH BIN – DAS LEBEN.«

Text: Pfr. Marcus-Stefan Großkopf (auszugsweise einem Faltblatt entnommen)

Gesamtkonzeption des Andachtsraumes:
Marie-Luise Frey und Johann P. Reuter
Altarbild:
Entwurf und Malerei: Johann P. Reuter
Altar:
Entwurf: Johann P. Reuter
Umsetzung: Holzwerkstatt Röllecke, Guntersblum
Filzsäulen:
Entwurf: Marie-Luise Frey
Umsetzung: Textilwerkstatt am Elisabethenstift gGmbH, Darmstadt
Altarparament:
Entwurf: Marie-Luise Frey
Umsetzung: Textilwerkstatt am Elisabethenstift gGmbH, Darmstadt
Fenster und Faltwand:
Entwurf: Marie-Luise Frey
Umsetzung: Reprozentrum Marquardt, Darmstadt
Eingangstür:
Entwurf: Johann P. Reuter
Umsetzung: Reprozentrum Marquardt, Darmstadt

Der brennende Dornbusch bei Wikipedia